Ambulante Hospizgruppe der Nachbarschaftshilfe Bad Vilbel e.V.

Auf dem letzten Weg nicht alleine sein

Über den Tod spricht man nicht gerne, dabei ist er untrennbar mit dem Leben verbunden. Statistiken zeigen, dass über die Hälfte der Sterbefälle im Krankenhaus passieren, der Anteil in Pflegeheimen ist ebenfalls hoch, und nur jeder Fünfte stirbt im häuslichen Umfeld. „Doch viele Menschen wünschen sich, zu Hause zu sterben“, weiß Cathrin Helmling, Palliativfachkraft und Koordinatorin der Ambulanten Hospizgruppe Bad Vilbel. Das ist oft nur durch professionelle und ehrenamtliche Unterstützung möglich.

Ein Anliegen der Hospizgruppe ist die Begleitung von Menschen in der letzten Lebensphase. Die 14 Ehrenamtlichen kommen in private Haushalte, aber auch ins Pflegeheim, ins Krankenhaus und ins Hospiz. Sie möchten Zeit schenken und Ruhe in eine schwierige Lebensphase bringen. Dazu gehört vor allem aufmerksames Zuhören. Viele Menschen wollen am Ende ihres Lebens reden. Ein Einstieg in das Gespräch gelingt oft über Fotos und damit verknüpfte Erinnerungen. Andere Menschen sind eher in sich gekehrt und wünschen sich, dass ihnen vorgelesen wird oder dass einfach nur jemand da ist. Niemand soll beim Sterben alleine sein, das ist dem Team wichtig, motiviert aus zahlreichen, teils auch sehr persönlichen Erfahrungen.

Diese Begleitung erfordert viel Kraft. Aber im Gegensatz zu den nahestehenden Angehörigen sind die Hospizhelfenden nicht emotional gebunden. „Wir wollen auch die An- und Zugehörigen entlasten und Freiräume schaffen“, beschreibt Helmling, die im Erstkontakt Informationen über die Bedürfnisse und Wünsche sammelt. Angehörigen fehlt oft die Zeit für alltägliche Dinge, den Frisörbesuch, den Einkauf oder ein Treffen mit Freunden. In dieser Zeit sind wir dann da, sitzen am Bett, gehen spazieren, je nachdem, was gewünscht und möglich ist.

Alle Ehrenamtlichen haben eine 160 Stunden umfassende theoretische und praktische Ausbildung durchlaufen und sind dadurch fachlich gut auf die Aufgaben vorbereitet. Die meisten sind noch berufstätig, haben sich aus persönlichen Erlebnissen für die Ausbildung entschieden und wollen sich aus diesen Erfahrungen heraus engagieren.

Das Team bemüht sich um eine Enttabuisierung der Themen Tod und Sterben, im vergangenen Jahr mit regelmäßigen monatlichen Informationsständen auf dem Niddaplatz, mehrmals auch schon mit Lesungen in der Stadtbibliothek Bad Vilbel anlässlich des Welthospiztages im Oktober oder wie zuletzt auf der Messe Vil-bella Vita. Zusätzlich möchte man mit unterschiedlichen Gesprächsformaten Menschen erreichen: An den monatlichen Weinabenden sind Trauernde eingeladen, miteinander ins Gespräch zu kommen, dazu wird auch immer ein Impulsthema angeboten. Der Begriff „Weinabend“ ist dabei durchaus im doppelten Sinn zu verstehen, es gibt Wein und auch andere, antialkoholische Getränke – und natürlich darf geweint werden. Das nachmittägliche Gesprächsangebot Trauercafé wird aus Altersgründen des Leitungsteams zum Ende des Jahres auslaufen, in Planung sind alternative Gesprächsangebote. In den „Letzte Hilfe-Kursen“ wird Interessierten in vier Stunden Basiswissen vermittelt, „wie es am Ende geht“, und ermutigt, Menschen in der letzten Lebensphase mit Mitgefühl und Würde zu begleiten. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit zur Pflegeberatung und Beratung zu Vorsorgevollmachten. Alle Angebote sind kostenfrei, da ehrenamtlich geleistet. Da manche Dinge, Materialien, Ausbildungen und weitere Qualifizierungen, finanziert werden müssen, freut sich die Hospizgruppe über Spenden zugunsten der Hospizarbeit in Bad Vilbel.

Wer Interesse an den Angeboten der Hospizgruppe hat, kann sich per E-Mail hospiz@nachbarschaftshilfe-bv.de oder tel. 0162 3973426 bei der Koordinatorin Cathrin Helmling melden

Angebote:

Trauercafé – jeden ersten Montag im Monat, 15.30 Uhr bis 17 Uhr, im „Haus der Begegnung“, Marktplatz 2, 61118 Bad Vilbel – zum letzten Mal am 1. Dezember 2025. Es ist keine Anmeldung erforderlich.

Weinabend – jeden letzten Montag im Monat, 18.30 Uhr bis 20.30 Uhr, im „Haus der Begegnung“, Marktplatz 2, 61118 Bad Vilbel. Der nächste Weinabend findet am 24. November 2025 statt. Es ist keine Anmeldung erforderlich.

„Letzte Hilfe-Kurse“ – auf Anfrage.

Bild: Mitglieder der Ambulanten Hospizgruppe Bad Vilbel

Foto: Jens Gericke