05 Mai 2017

Dichter begeistert Demenzkranke in Seniorenheim

FNP Bad Vilbel  18.05.2017 Von ALEXANDER SEIPP     Im Alter verändert sich nicht nur der Körper, auch der Geist ist betroffen. Besonders schlimm ist dies bei jenen Senioren, die unter Demenz leiden. Sie können sich manchmal sogar nicht einmal mehr an den eigenen Namen erinnern. Trotzdem ist es für Demenzkranke wichtig, sich zurückzuerinnern und Spaß zu haben.

Foto  „Ein Birnbaum in seinem Garten stand“: Helga Ebel (Zweite von rechts) erinnert sich genau an Herr Ribbeck, Lars Ruppel (vorne) freut’s.

Lars Ruppel, freischaffender Dichter, hat es sich zum Ziel gemacht dementen Menschen zu helfen. Im Dortelweiler Seniorenzentrum hat er deshalb einen Workshop angeboten, um mit seinen Gedichten dementen Menschen zu helfen, sich an Vergangenes zu erinnern.

Helga Ebel grinst über beide Ohren, ihr Gehstock wippt im Takt, als sie das Gedicht erkennt. Gerade noch hatte sie still auf ihrem Stuhl gesessen, doch nun ist sie nicht mehr zu halten. „Herr Ribbeck von Ribbeck in Havelland, ein Birnbaum in seinem Garten stand“, spricht sie laut mit und ihre Augen glänzen vor Begeisterung. Die Bewohnerin des Dortelweiler Altenpflegeheims leidet unter Demenz, doch an dieses Gedicht kann sie sich noch ganz genau erinnern, so spricht sie es bis zum Ende fehlerfrei mit. „Wunderbar“, ruft sie voller Freude aus.

„Gedichte sind für ältere Menschen ein guter Anknüpfungspunkt, sie erinnern sie an ihre Jugend. Besonders gut ist es natürlich, wenn sie die Gedichte kennen, doch das ist nicht zwanghaft notwendig, auch neue Poesie kann die Senioren begeistern“, erklärt Lars Ruppel, freischaffender Dichter aus Gambach im Vorfeld den Interessierten. Im „Café Köstlich“ des Dortelweiler AGO-Seniorenzentrums hat sich eine breite Gruppe zusammengefunden.

Gute Mischung finden

Altenpfleger, Betreuer des Café Kleeblatt sowie Schüler und Lehrerinnen des Vilbeler Georg-Büchner-Gymnasiums sind gekommen um sich darüber aufklären zu lassen, was Gedichte für Menschen mit Demenz tun können. Und das ist eine ganze Menge, da ist sich Ruppel sicher. „Es geht nicht nur um Rückbesinnung, sondern auch darum, gemeinsam neue Gedichte zu erkennen. Gedichte vorlesen und besonders das Mitsprechen der Gedichte durch die Senioren unterhält nicht nur und gibt ihnen die Möglichkeit zur Ruhe zu kommen, sondern ermöglicht auch an Kultur teilzuhaben, in einer Zeit in der dies für sie sehr schwer sein kann.“