30 Mrz 2019

Achtsamkeit schärfen

Im Rahmen einer Schul-AG zum Thema „Verantwortung“ haben Siebt- und AchtklässlerInnen des Georg-Büchner-Gymnasiums mit dem Arbeitskreis „Älterwerden in Bad Vilbel“ und der Nachbarschaftshilfe kooperiert. Augen wurden geöffnet, Sinne geschärft für die Bedürfnisse Älterer.

Im Januar und Februar 2019 wurde mit Siebt- und AchtklässlerInnen des Georg-Büchner-Gymnasiums unter Leitung von Bärbel Tiessen und Nina Wollenhauptein ein vierwöchiges Projekt zum Thema „Achtsamkeit“ durchgeführt. Die SchülerInnen und VertreterInnen des Arbeitskreises haben sich zunächst unter der Leitung von Hans-Joachim Prassel, dem Fachberater für Barrierefreiheit des VdK, mit dem Thema „Beeinträchtigungen“ theoretisch beschäftigt.

In der Folgewoche ging es dann in die Bad Vilbeler Innenstadt zum Praxistest: Mit vom Frankfurter Verband zur Verfügung gestellten Rollstühlen hatten die SchülerInnen, begleitet von SeniorInnen, unterschiedliche Aufträge zu bewältigen. So sollten sie z.B. einkaufen, Bus fahren, die Stadtbücherei besuchen, eine öffentliche Toilette benutzen und Fahrstuhl fahren. Neben dem für sie noch ungewohnten Umgang mit der Technik eines Rollstuhls erfuhren die Jugendlichen unterschiedliche Alltagshürden. „Der Busfahrer hatte mich zwar gesehen. Den Bus hat er aber nicht abgesenkt, sodass ich die viel zu hohe und breite Stufe nur mit Hilfe meines Freundes überwinden konnte“, erinnert sich Tilman. Selin berichtet überrascht: „Mit dem Rollstuhl hat man mich hinter dem Tresen der Musikschule nicht sehen können. Ohne Begleitung muss man sich in solchen Situationen anders bemerkbar machen.“

Die Gruppe aus Alt und Jung erlebte unmittelbar, wie viel Planung die zum Teil deutlich weiteren Wege benötigen und wie viel höher der Zeit- und Kraft(!)aufwand für kleine Besorgungen ist. Während Alina ganz selbstständig mit verbissenem Ehrgeiz die Einkaufsstraße mit ihrem seitlich abfallenden Bürgersteig entlangfuhr, wunderte sie sich: „Ich dachte eigentlich immer, es muss so gemütlich sein, wenn man die ganze Zeit im Rollstuhl sitzt.“ Außerdem fielen den Teilnehmern zum ersten Mal in ihrer Stadt erhöhte Türschwellen, unterschiedliche Bodenbeläge, zu steile Rampen vor Geschäften und die häufig zu schmalen Türöffnungen auf.

Bei einem Nachtreffen der Gruppe aus Schülern und Senioren waren sich alle einig, dass dieses Projekt Augen geöffnet und Sinne geschärft hat für die Bedürfnisse anderer. Die Jugendlichen formulierten nach diesen Erlebnissen selbst den Wunsch, dass die Belange von Menschen mit Beeinträchtigung stärker bedacht werden.

Barrieren müssen abgebaut werden – architektonisch, aber auch in den Köpfen!

 

 

Kontakt für eventuelle Rückfragen:

Bärbel Tiessen: btiessen@web.de; Mobil: 0160-2438329

Nina Wollenhaupt: nina@wollenhaupt.net; Mobil : 0174-3217697